10 Dinge, die dir niemand sagt, bevor du mit dem Rudern anfängst. (von James Cracknell)

  1. Henry Ford hätte Rudern geliebt

Ford berüchtigtes Zitat “Du kannst jede Farbe haben, solange es schwarz ist“, kann man fürs Rudern wie folgt übernehmen, “man kann jede Strecke zurücklegen, solange es 2000 Meter sind“. Im Rudersport macht es wenig Sinn, ein Spezialist auf 50, 500 oder 5000 Meter zu sein, denn Nationale-, Welt- und Olympia-Medaillen werden immer über 2000 Meter ausgefahren.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Das Boatrace zwischen Oxford und Cambridge geht über 6,8km, Landemeisterschaften über 1000m, Sprintmeisterschaften über 350m.

  1. Deine Einstellung zur Körpergröße wird sich dauerhaft verändern

Mit 1,93 Meter war in allen Mannschaften, mit den ich bei Olympia gestartet bin, der kleinste im Boot. Um im Rudersport als groß zu gelten, müssen es dann schon mindestens 1,98 Meter sein. Die internationale Ruderelite besteht somit aus einem ziemlich auserwählten Genpool.

Aber auch hier gibt es natürlich wieder Ausnahmen. In den Leichtgewichtsklassen gibt es selbstverständlich viele kleinere Ruderer. Auch im Schwergewichtsbereich gibt es Weltmeister, die unter 1,9m oder sogar unter 1,85m sind.

  1. Du lernst, nicht an Strumpfhosen von Frauen zu reiben

Wenn deine Hände über viele Stunden in der Woche, in Kontakt mit einem hölzerneren Rudergriff in Kontakt sind, dann werden diese natürlich mit Blasen, Hornhaut und Schwielen überdeckt sein. Ein zärtliches Reiben der Strumpfhose kann diese leicht zum Reißen bringen.

Traurigerweise werden diese großen Rudererhände normalerweise mit grobmotorischen Jobs in Verbindung gebracht. Wenn man öfter in den gleichen Zeitungsladen geht, werden sie feststellen, dass der Angestellte lieber das Wechselgeld fällen lässt, anstatt mit ihren strapazierten Händen in Kontakt zu kommen.

  1. Es gibt nichts geschenkt im Leben

Oder anders ausgedrückt, “Es gibt kein Vergnügen ohne Schmerzen“. Als ich mit dem Rudern angefangen habe, hat mir niemand gesagt, dass man fürs Rudern eine große Leidensfähigkeit braucht.

Ich liebte es, auf dem Wasser zu sein (als ich es zumindest endlich beherrschte nicht ins Wasser zu fallen) und ich fand, das Rudern ein Gefühl von Freiheit war, wie ich es bisher noch nicht erlebt hatte. Aber das war nichts im Vergleich zu  der riesigen Freude, wenn Rennen gewonnen werden konnten, welches ich auf meinen ersten Regatten erfahren konnte. Rudern ist ein Ausdauersport und gewonnen werden kann nur, nach hartem Training. Um Medaillen zu holen, muss also erst durch Schmerz und Jammer im Training gegangen werden, um am Ende Medaillen zu holen.

Was sich aber trotzdem lohnt.

  1. Mittagessen ist nicht nur einmal pro Tag

Als ich voll im Training war, musste ich zwischen 5-6000 Kalorien in fünf Mahlzeiten essen, um genügend Energie für die 6 Stunden Training pro Tag zu haben. Nach einer Weile hörte ich auf Essen als Genussmittel zu sehen und behandelte es einfach wie Benzin, welches in einen Tank gefüllt wird. Einfach hinein schaufeln, verbrennen und das Ganze wiederholen.

Die Probleme kommen erst, wenn die Ruderkarriere beendet wird. Der Körper ist es gewohnt fünf Mahlzeiten am Tag zu essen, aber Sie trainieren nicht mehr dreimal am Tag. Die einzige Verbesserung die Sie jetzt sehen, liegt in Ihrem Körperfett, nicht in der Fitness.

  1. Du lernst es, die Kälte zu genießen

“Zwei Minuten bist zum Start des Rennens, bitte bis zur Rennbekleidung ausziehen“. Über 30 Jahre später kann ich mich immer noch daran erinnern, dass der Rennleiter dies durch sein Megaphone gerufen hat. Gelogen hat er nicht, die erste Crew durfte sich natürlich direkt auf dem Weg machen, aber für uns, ein unter 14 Jahre Achter, mit der Nr. 186 ging es noch lange nicht los. Wir durften noch 30 Minuten im eiskalten Januarwetter sitzen, bevor endlich anfangen durfte. Bis dahin hatte die halbe Mannschaft schon blauer Finger und Lippen.

Handschuhe sind im Rudern eh ein No Go und jeder, der im Winter etwas anderes als Flip Flops oder Badelatschen ohne Socken trägt gilt als Weichei.

  1. Ruderrennen beginnen früh morgens

Egal, ob es sich um ein Training vor der Schule,  einer Vorlesung an der Uni oder der Arbeit handelt, Rudern ist immer für Frühaufsteher gemacht. Wenn du gerne länger schläfst, ist dieser Sport nichts für dich.

Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney war unser Rennen um 10:30 Uhr geplant. Wir gingen ab einen Monat vor dem Rennen immer um 21 Uhr schlafen und standen um 4 Uhr morgens auf, um sicherzustellen, dass wir sechseinhalb Stunden später wach waren. Da fragt man sich dann schon oft, warum mach ich diesen Sport überhaupt.

  1. Angler mögen dich nicht

Angler und Ruderer kommen nicht immer gut miteinander aus. Der eine Sport genießt die Ruhe des Wassers und der andere wirbelt das Wasser auf. Rudern in der Nähe des Ufers führt oft dazu, dass sich die Angelleine in an dem Ruderboot verfängt. Dann hat der Angler ein Ruderboot gefangen und keinen Fisch.

An die Beschimpfungen des Anglers gewöhnt man sich dann in Lauf der Zeit.

  1. Es ist kein Vorteil der Beste im Boot zu sein

Man erkennt schnell, dass man seine persönlichen Träume in die Hände eines anderen legen muss. Rudern ist in dieser Hinsicht der absolute Mannschaftssport. Sie gewinnen zusammen und verlieren zusammen.

Es macht wenig Sinn der Beste im Boot zu sein. Stattdessen ist die ideale Situation einen garantierten Platz im Boot zu haben, aber einer der schwächeren sein. So kann man im Schlepptau der stärkeren mitfahren.

Zumindest war das meine Taktik.

  1. All dein Training für ein paar kurze Minuten

Das olympische Finale war das einzige Rennen, welches im vierjährigen Olympia Zyklus wirklich wichtig war. Die ganze Vorbereitung, das ganze Trainings am frühen Morgen und im kalten Winter für 6 Minuten Wettkampf, wo es wirklich drauf ankommt. Eine schlechte Leistung am entscheidenden Tag machen die vorherigen vier Jahre bedeutungslos.

Über den Autor

Der Artikel wurde aus dem englischen übersetzt, welcher im Telegraph erschien.

James Cracknell ist mit zwei olympischen Goldmedaillen und sechs Siegen bei Weltmeisterschaften einer der erfolgreichsten Ruderer. In den Jahren 1997 und 2004 prägte er mit diesen Erfolgen zusammen mit seinen Mannschaftskollegen des britischen Nationalteams den Männer Riemenbereich maßgeblich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.